Leipzigs Kirchen sind immer einen Besuch wert
Mehr als 140 Kirchgemeinden sind in und um Leipzig zu Hause. Bekannt sind vor allem die Gotteshäuser im Zentrum, allen voran die Thomas- und die Nikolaikirche. Hier wirkte Johann Sebastian Bach, hier ist der weltberühmte Thomanerchor zu Hause, hier befand sich das Zentrum der friedlichen Revolution an der Pleiße. Beide Kirchen sind Publikumsmagneten und ziehen jedes Jahr scharenweise Touristen an.
Doch Leipzig bietet dem interessierten Kirchenbesucher viel mehr. Hier stehen alt und neu nebeneinander. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Peterskirche erbaut – ein monumentales Gebäude im spätgotischen Stil, das nichts von seiner Wirkung verloren hat. 2006 erfuhr die Erlöserkirche ihre Weihe. Sie ist das jüngste Gotteshaus der Stadt. Noch. Denn derzeit läuft der Architektenwettbewerb für den Bau der neuen Propsteikirche, die ihren Platz gegenüber dem Neuen Rathaus finden soll.
Unser Fotograf Dirk Knofe hat sich für Sie auf den Weg zu Leipzigs Kirchen gemacht, und die schönsten festgehalten. Sie sind ab sofort im Rund.Blick.Leipzig für Sie verfügbar. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und erkunden sie einige der sakralen Bauten der Messestadt! Sie werden es nicht bereuen.
Adresse: Stieglitzstraße 42, 04229 Leipzig
Das Gotteshaus wurde am 29. Januar 1933 geweiht und beeindruckt bis heute durch seinen fast hallfreien Kirchenraum. Ab 1953 wurde die Bethanienkirche daher von den Rundfunkorchestern der DDR für Proben und Tonbandaufnahmen genutzt. Von den daraus gewonnenen Einnahmen konnte die Innenrestaurierung bezahlt werden, denn während des zweiten Weltkriegs war die Kirche arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Nachdem zunächst das Kupferdach und die Glocken abmontiert und für Kriegszwecke verwendet worden waren, wurde das Gebäude am 20. Februar 1944 durch mehrere Bombenexplosionen zusätzlich schwer beschädigt. Wegen der so eindringenden Nässe sowie aus Mangel an Heizmaterial konnte die Kirche bis 1948 nicht genutzt werden. Inzwischen hat sich ein Förderverein gegründet, der die bauliche Erhaltung des Gebäudes begleitet. Sein erstes Projekt war die Sanierung des Kirchturmes sowie die Anbringung eines neuen Turmkreuzes im Jahr 2000.
Russisch-Orthodoxe Gedächtniskirche St. Alexej
Adresse: Philipp-Rosenthal-Strasse 51a, 04103 Leipzig
Den Turm der Russisch-Orthodoxen Gedächtniskirche St. Alexej sieht man schon von weitem golden leuchten. Die Konkathedrale direkt neben dem Friedenspark wurde nach achtmonatiger Bauzeit am 18. Oktober 1913 zusammen mit dem Völkerschlachtdenkmal eingeweiht. Das Gebäude soll an die mehr als 22.000 russischen Opfer erinnern, die die Völkerschlacht gegen Napoleon forderte. Im Inneren beeindrucken vor allem die rund 18 Meter hohe Ikonenwand bestehend aus etwa 70 Ikonen sowie der 800 Kilogramm schwere Kronleuchter mit 72 Lampen aus Jaspis. Die Gemeinde vereint heute Menschen verschiedener Nationalitäten.
Adresse: Emil-Fuchs-Straße 5-7, 04105 Leipzig
Die Leipziger Propsteigemeinde musste in den vergangenen Jahrhunderten vor allem eines: Umziehen. Der erste römisch-katholische Gottesdienst fand 1710 in der Kapelle der Pleißenburg statt. An dieser Stelle steht heute das neue Rathaus. 1847 wurde gegenüber dem jetzigen Sitz der Stadtverwaltung die erste Trinitatiskirche errichtet. Bei einem Bombenangriff am 4. Dezember 1943 wurde das Gebäude vollständig zerstört. In den folgenden Jahren war die Gemeinde Gast in verschiedenen evangelischen Kirchen, bis 1982 die Propsteikirche St. Trinitatis am südlichen Rand des Rosentals eingeweiht werden konnte. Die moderne Architektur macht das Gebäude zu einem besonderen Blickfang. Bemerkenswert ist auch der separat außerhalb des Haupthauses stehende Glockenturm. Inzwischen ist die Bausubstanz allerdings angegriffen, da das Erdreich nachgibt. Risse ziehen sich durch das gesamte Gebäude. In der Nonnenmühlgasse (direkt gegenüber dem Neuen Rathaus) soll nun eine neue Propsteikirche entstehen. In einer bundesweiten Kollekte wurde am 7. und 8. Februar 2009 in den katholischen Kirchen Deutschlands für das Bauvorhaben gesammelt. 2010 soll mit dem Bau begonnen werden. Die Einweihung ist für 2012 vorgesehen.
Adresse: Dorfstraße 2, 04416 Markkleeberg-Zöbigker
Eigentlich ist die Fahrradkirche Zöbigker nur noch eine Ruine. 1942 brannte die damalige Dorfkirche vollständig aus, nachdem ein Wärmestau am Orgelmotor die Flammen entzündet hatte. Jahrzehntelang blieb lediglich die Ruine, bis die Martin-Luther-Kirchgemeinde Markkleeberg am 10. Oktober 2006 das Projekt Fahrradkirche Zöbigker ins Leben rief. Sie soll als Ruhepol und Ruheort für Radwanderer dienen, die auf der Route an der Ostseite des Cospudener Sees unterwegs sind.
Adresse: Nordplatz, 04105 Leipzig
Die Michaeliskirche am Nordplatz wurde 1904 nach drei Jahren Bauzeit eingeweiht. Bis auf die Fenster im Kirchenschiff ist das imposante Gebäude mit seinem knapp 70 Meter hohen Turm bis heute vollständig erhalten. Das Kirchenschiff besitzt einen kreuzförmigen Grundriss und wird im Norden von Kapellen flankiert. Altar und Taufstein sind aus Marmor gefertigt, die Kanzel aus Holz. Stein-, Stuck- und Holzelemente sind reich verziert. Die Michaeliskirche gilt im Hinblick auf die Verbindung von Historismus und Jugendstil als die interessanteste der Leipziger Kirchen.
Adresse: Nikolaikirchhof, 04109 Leipzig
Neben der Thomaskirche ist die Nikolaikirche das namhafteste der Leipziger Gotteshäuser. Grund dafür sind natürlich die Wendejahre, die Friedensgebete, die Montagsdemonstrationen und der gleichnamige Film nach dem Roman von Erich Loest. Die spätgotische Hallenkirche bietet Platz für etwa 1700 Menschen und war eine der zwei Hauptwirkungsstätten Johann Sebastian Bachs, der am 30. Mai 1723 hier in sein Amt als Kantor eingeführt wurde. Heute erinnert eine 1895 geschaffene und 1998 aufgestellte Büste an den großen Komponisten. Hauptturm und Portal der Nikolaikirche sind im Barockstil gehalten, der Innenraum im klassizistischen Stil. Seit 1982 finden hier immer montags um 17 Uhr die berühmten Friedensgebete zu wechselnden Themen statt.
Adresse: Schletterplatz, 04107 Leipzig
Auf Grund der planmäßigen Bebauung der Südvorstadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte die ursprüngliche Peterskirche in der Innenstadt (Peterskirchhof) die Gläubigen nicht mehr fassen. 1882 wurde deshalb der Grundstein für die neue Peterskirche am Schletterplatz nahe des Bayerischen Bahnhofs gelegt. August Hartel und Constantin Lipsius verwirklichten ihre Vision eines gotischen Stils monumentaler Ausprägung. Wie andere Gotteshäuser der Stadt auch erlitt das Bauwerk während des zweiten Weltkriegs massive Beschädigungen. Zehn Jahre lang fehlte ein Dach. Erst 1966 gelang eine teilweise Instandsetzung, so dass die Kirche zumindest provisorisch genutzt werden konnte. Seit 1990 erfolgt die systematische Instandsetzung und Restaurierung. Die Fenster der Peterskirche sind mit farbigen Bleiglasfenstern ausgestattet. Hier schufen namhafte Glasmaler der Düsseldorfer Akademie einen figürlichen Bildzyklus, der Szenen aus dem Alten und Neuen Testament gegenüberstellt.
Adresse: Thomaskirchhof, 04109 Leipzig
Sie ist nicht nur deshalb berühmt, weil sie quasi als „Wohnzimmer“ der weltbekannten Thomaner gilt. Seit 1950 ruhen in der Thomaskirche die Gebeine von Johann Sebastian Bach, der hier als Thomaskantor wirkte. Erbaut wurde das im spätgotischen Stil gehaltene Gotteshaus ab 1482. Ein zuvor an selber Stelle stehendes romanisches Kirchenschiff brach man ab. Bis auf den Turm, der seine endgültige Form 1702 erhielt, hat sich seit dieser Zeit nichts an der Architektur geändert. Der im Inneren befindliche Flügelaltar stammt aus den Händen eines unbekannten Meisters aus dem 15. Jahrhundert. Er hatte seinen ursprünglichen Platz in der Universitätskirche St. Pauli, die 1968 gesprengt wurde. Nach der Wiedervereinigung 1990 begannen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen im Gebäude, die zum 250. Todestag Bachs im Jahr 2000 weitgehend abgeschlossen waren. Dabei erhielt die Thomaskirche auch ihre neue Bachorgel.
Adresse: Windorfer Straße 49, 04229 Leipzig
Die Taborkirche wurde nach zweijähriger Bauzeit am 13. März 1904 geweiht. Zuvor hatte auf dem heutigen Kirchenvorplatz die Dorfkirche von Kleinzschocher ihren Platz. Sie wurde 1905 abgerissen. Seinen Namen erhielt das Gotteshaus auf Grund seines Standortes auf einer Anhöhe – „Tabor“ wird auch ein Berg in Palästina genannt, von dem im Matthäus-Evangelium die Rede ist. Markantes Merkmal der neoromanischen dreischiffigen Basilika ist ihr monumentaler 52 Meter hoher Doppelturm.
Adresse: Dauthestraße 1A, 04317 Leipzig
Die Erlöserkirche in Reudnitz-Thonberg ist das derzeit jüngste Gotteshaus der Messestadt. Sie wurde am 4. Juni 2006 nach gut einem Jahr Bauzeit geweiht. Sie ist nicht nur Kirche, sondern auch Gemeindezentrum, zu dem unter anderem ein Kindergarten gehört. Der Neubau war nötig geworden, weil die Gemeinde seit 2004 über keinen Raum mehr verfügte, in dem sie ihre Gottesdienste feiern konnte. Die alte Erlöserkirche war am 27. Februar 1945 bei einem Bombenangriff der Alliierten zerstört worden. Danach war die Gemeinde in der Kapelle der Salomonstiftung zu Hause.
Adresse: Schönauer Straße 245, 04207 LeipzigDie Dorfkirche Schönau, heute Heimstatt der Pauluskirchgemeinde, geht in ihren Ursprüngen bis in die Zeit der Gotik zurück. Heute steht sie inmitten des Neubaugebietes im Stadtteil Grünau. Größer könnte der Kontrast kaum sein. Das wird besonders dann deutlich, wenn man das kleine Gotteshaus betritt. Den Besucher empfangen eine mit vielen Schnitzereien verzierte Renaissance-Kanzel sowie ein Altar mit der Darstellung der Ostergeschichte. Beide Kunstwerke stammen aus dem Jahr 1624. Eine weitere Besonderheit: Der Kirchenraum wird durch eine bemalte Kassettendecke abgeschlossen.
Antje Henselin-Rudolph

Augustusplatz 9